Sie sind hier: Forschung & Beratung > Social LCA: Schnittrosen > 
27.3.2017 : 8:35 : +0200

Forschung & Beratung


  

Plantagenarbeiter in Ecuador beim Verpacken der Rosen, Quelle: Magazin für Zierpflanzenanbau 20/2005
Arbeiterin mit Kind auf einer Rosenplantage in Ecuador, Quelle: International Labour Rights Fund

 

 

Laden Sie sich unseren Flyer zum Thema S-LCA herunter:

Soziale Lebenszyklusanalyse von Rosen

- Schnittrosen aus Ecuador und den Niederlanden im Vergleich

Kurzbeschreibung

Im Frühjahr 2009 veröffentlichte die UNEP/SETAC Life Cycle Initiative 'Guidelines for social life cycle assessment of products' und beschrieb damit zum ersten Mal eine konsistente, international anerkannte Methode, um soziale Auswirkungen von Produkten über den gesamten Lebensweg zu analysieren und zu bewerten. Die in über 100 Seiten beschriebene Methode wurde von Kritikern als schwierig umsetzbar eingeschätzt; als Test wurde von GreenDelta das hier beschriebene Projekt durchgeführt.

Ein weiteres Ziel bestand darin, eine neue Methode für die Bewertung sozialer Effekte zu entwickeln, die auch qualitative Informationen angemessen beachtet. Eine solche Auswertungsmethode ist in den UNEP/SETAC Guidelines noch nicht beschrieben, aber für eine praktische Anwendung unbedingt sinnvoll.

Nicht zuletzt sollten die sozialen Auswirkungen der Produktion eines Rosenstraußes in Ecuador mit denen in den Niederlanden verglichen werden und darüber hinaus auch die Umweltwirkung der Produktionsstandorte betrachtet werden. Social LCA (soziale Lebenszyklusanalyse) wurde von der UNEP Arbeitsgruppe bewußt entwickelt, um effizient und inhaltlich sinnvoll mit Ökobilanzen gekoppelt zu werden. Daher wurde parallel eine Ökobilanz durchgeführt. 

Die Studie betrachtet die Produktion eines Rosenstraußes in zwei fiktiven Rosenfarmen in Ecuador und den Niederlanden, der anschließend auf einer Blumenauktion in Aalsmeer, Niederlande verkauft wird. Untersucht werden die sozialen und ökologischen Auswirkungen auf Arbeiter, Gemeinde, Gesellschaft und Wirtschaft.
Die Annahmen wurden so modelliert, dass sie die Realität möglichst genau wiedergeben. Als Datenquellen wurden öffentliche und leicht zugängliche Studien und Berichte genutzt - hauptsächlich von staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen.

Ergebnisse

Als Ergebnis kann zunächst festgehalten werden, dass die Richtlinien der Life Cycle Initiative umsetzbar sind. Diese erste Fallstudie zu sozialen Auswirkungen von Produkten hat gezeigt, dass auch mit relativ geringem Aufwand und wenig Daten aussagekräftige Ergebnisse erzielt werden können.

Im Hinblick auf die Effekte der Produktion eines Rosenstraußes wurde aufgedeckt, dass der Rosenanbau in Ecuador mit schwerwiegenden sozialen Auswirkungen verbunden ist. Es herrscht eine hohe Kinderarbeitsrate, Arbeiter sind unterbezahlt und gefährden ihre Gesundheit aufgrund des hohen Pestizideinsatzes, etc. Im Gegensatz dazu ruft die Rosenproduktion in den Niederlanden eher positive soziale Effekte hervor, führt aber durch den hohen Energieeinsatz zu erheblichen Umweltschäden. Die Bewertung der sozialen Auswirkungen des Rosenproduktionsprozesses ist zusammenfassend in den Tabellen dargestellt. Sie führen für jeden Standort die einzelnen Stakeholder mit den jeweiligen Unterkategorien auf und beschreiben deren Ausprägung. Die Spalten 4-8 zeigen, welche Unterkategorien Einfluss auf welche Wirkungskategorien besitzen. Die letzte Spalte nimmt eine Bewertung mithilfe einer intuitiven Farbskala vor (rot = sehr negative Auswirkungen, orange = negative Auswirkungen, hellgrün = indifferente Auswirkungen, dunkelgrün = positive Auswirkungen).

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich soziale und ökologische Auswirkungen nicht zwangsläufig bedingen, sondern sich auch gegensätzlich verhalten können. So ist die Rosenproduktion in Ecuador aus sozialen Gesichtspunkten bedenklich, aber auf der anderen Seite umweltfreundlicher als der Rosenanbau in den Niederlanden, welcher sich wiederum positiv auf die verschiedenen Anspruchsgruppen auswirkt. Somit ist es für eine ganzheitliche Analyse sinnvoll, sowohl ökologische als auch soziale Auswirkungen zu betrachten. 

Zeitraum

Juli - September 2009

Weitere Informationen

UNEP/SETAC Guidelines for a Social Life Cycle Assessment

Vortrag auf dem SETAC Annual Meeting in Göteborg, Mai 2009

Vortrag auf der Life Cycle Conference LCA IX in Boston, September 2009